EINE GLÜCKLICHE INSEL


Sie lebte in einem kleinen, quadratischen Haus. Davor befand sich ein kleiner quadratischer Garten.
Das Haus blickte über das hohe Flussufer, hinter und über die Baumkronen des kleinen Gartens.
Es gab einen schmalen Weg neben dem Haus. Er führte - so dachte ich damals - in eine geheime Welt. Schon die Tatsache, dass ich seitwärts laufen musste, wie ein Krebs, war für mich ein Grund für Neugierde, Angst und Abenteuer.
Ich hatte nicht den Mut, allein dorthin zu gehen; selbst als ich mit meinen Cousins, Cousinen und Geschwistern Verstecken spielte, kam ich nicht dazu.
Doch ich hätte wissen müssen, dass sie mich nie in Gefahr bringen würde.
Die gute Hexe von Hänsel und Gretel. Das heißt, diejenige, die Süßigkeiten gibt, aber dich nicht essen will.
Ihr Haus war irgendwie, in meinen Augen, aus Süßigkeiten gemacht. Kein Lebkuchen; Lebkuchen hat noch nie eine Anziehungskraft auf mich ausgeübt. Und als ich sie besuchen ging, war es nicht das, was sie mir anbot.
Sie verschwand für eine Weile im Esszimmer und kam mit einem Korb zurück. Der Korb der Wunder. Schokolade, Chips, Snacks, alles, was eine gute Mutter ihren Sohn nicht im Überfluss essen lässt, war vorhanden. Ohne Grenzen.
Und ich war glücklich.
Weil ich mich nicht verstecken musste, ich musste nicht so tun als ob. Ich brauchte die Worte nicht zu beschweren. Ich war ich selbst. Nur ich.
Manchmal, wenn die Sonne schien, saßen wir unter der kleinen Veranda und unter dem Blauregen, der dort hinaufstieg, und sie sprach mit mir. Wir sprachen stundenlang, unter der Sonne, die sich manchmal hinter unserem begrenzten Horizont versteckte. Wegen der imposanten Böschung vor uns.
Damals erinnerte ich mich daran, dass ich nach Hause gehen musste. Ich würde mein Fahrrad nehmen und mich verabschieden. Mit so viel Bedauern.
Aber ich wusste, dass ich sie bald wieder sehen würde, und dass der Korb wieder voll sein würde.
Sie legte ihre Hände in die große Tasche ihrer Schürze und spielte mit dem Baumwolltaschentuch, das sie dort aufbewahrte. Und sie stand direkt vor dem offenen Tor.
Dann drehte ich an der Kurve meinen Kopf und sie war noch da, vom offenen Tor aus. Sie wartete auf mich. Sie hob ihre Hand und begrüßte mich mit einem Lächeln.
Ich erinnere mich an den Blauregen auf der Veranda. Ich erinnere mich an ihren Schaukelstuhl unter der Veranda. Ich erinnere mich an ihre Stimme und ihr Gelächter. Und diese Erinnerungen füllen meine Venen immer noch mit Leben. Und meine Augen mit Tränen. Aber ich bin nicht traurig. Weil sie bei mir ist. Sogar jetzt noch.
Ich sehe sie wieder liebevoll lächeln und nachgeben. Den Witzbold. Wie immer war sie es.

Ich vermisse dich. Ich liebe dich.




Wie hat dir die Geschichte gefallen? Konntest du mit uns kurz unter der Veranda setzen? Hast du den violetten Blauregen über deinem Kopf hängen gesehen? Schreibe ein Kommentar hier unten, oder mir eine E-Mail. Ich freue mich auf deine Nachricht!
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